Barfuß im Stadtbild: War früher bei Frauen mehr Mut zum Barfußgehen?

Ich bin jetzt 53 und hänge in letzter Zeit oft einer Beobachtung aus meiner Kindheit und Jugend nach. Wenn ich an die Sommer in den 80ern zurückdenke, habe ich das Gefühl, dass man damals im Alltag viel häufiger Frauen barfuß in der Öffentlichkeit gesehen hat. Bei Männern war das damals, zumindest in meiner Wahrnehmung, eher die absolute Ausnahme. Heute hat sich das Bild gewandelt: Männer scheinen heute mutiger geworden zu sein.
Mich würde interessieren: Täuscht mich meine Erinnerung oder habt ihr ähnliche Beobachtungen gemacht? Woran könnte das liegen? War die gesellschaftliche Akzeptanz früher bei Frauen einfach höher?
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Erinnerungen aus dieser Zeit!

Das sehe ich mit 57 ebenso. Ich kann mich auch erinnern, dass damals in der Schule (Gymnasium) viele Mädchen/ junge Frauen barfuß liefen, zumindest temporär.
Keine Ahnung, ob das heute noch so ist….

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Ich bin in den 90ern und 2000ern zur Schule gegangen. Damals waren bei uns auch viele Mädels im Sommer barfuß, beim Sport sowieso, manche sind auch barfuß zur Schule gekommen. Die Jungs hatten häufig irgendwelche status-behafteten Schuhe an, die wichtig zu sein schienen. Nur wenige Jungs, das waren meist die sportlichen, sind im Sportunterricht selbstverständlich barfuß gelaufen.

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Bei uns hatten die Jungs auch Sportschuhe an (die neuesten Modelle waren quasie Pflicht..)

Die Mädels hatten aber auch Schuhe an waren höchstens mal am Wandertag (Blasen gelaufen) oder auf Klassenfahrt kurz barfuss.

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Ich kann mich, zu meiner Schulzeit (Mitte der 1990er bis Anfang 2000er) kaum daran erinnern das egal ob Jungs oder Mädels oft barfuß waren.
Das war wenn überhaupt ganz vereinzelt im Sommer der Fall.

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Nach meinen Erinnerungen waren in den 80-er/90-er Jahren auch viele Jungs barfuss unterwegs. Zumindest an meiner Schule waren sie definitiv in der Überzahl. An warmen Sommertagen gab es fast immer welche, die barfuss zur Schule kamen (und auch ein paar, die die Schuhe dort ausgezogen haben). Ich bedauere sehr, dass ich den Mut damals nicht hatte…

Aber vielleicht war das auch eine Art “Wettbewerb”, ein Mitschüler (der totale Hippie :wink:) kam oft schon im März barfuss zur Schule und hatte dann bis in den Herbst hinein fast nie Schuhe an. Das hat sicher einige motiviert, es ihm nachzumachen. :smiley:

Ein paar Mädels waren auch barfuss, aber nach meiner Erinnerung weniger als Jungs.

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Und die Lehrer haben nichts gesagt?

Ich glaube, heutzutage ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen barfuß total out. Man trägt auch im Sommer Turnschuhe, daher Socken, und der Weg zu barfuß ist weit und nicht im Blick. Sandalen sind ja auch an warmen Tagen auch bei Frauen unter 30 ziemlich selten.

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Ne, soweit ich mich erinnere, gab es da nie Probleme. Barfuß wurde toleriert.

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Hallo allseits,

also so weit zurückblicken hann ich nicht, aber seit einiger Zeit versuche ich ja an freien Tagen meine 10000 Schritte als Innenstadtspaziergang durch Nürnbergs City zu machen. Während ich damit frisch angefangen hab gabs mindestens 2 Punks und 1-2 Obdachlose (bei denen einer der mir durch seinen außergewöhnlichen Kleidungstil immer wieder positiv auffiel) die regelmäßig barfuß in Nürnberg zu sehen waren + Zusatzsichtungen von einzelnen die einfach so in der Stadt zum Schoppen waren. Das letzte Jahr hab ich sogut wie keinen mehr gesehen, ich wundere mich auch, wo die Leute alle hin sind?

Gruß Daniel

Ich habe eine Hypothese für das Phänomen.

Zunächst:

Die bist also frühestens 1972 geboren (spätestens 1973). In den Jahren 1980 bis 1989 (also den 80ern) warst du dann von (maximal) 8 bis (maximal) 17 Jahre alt. Wie du selbst sagst, Kindheit und Jugend.

Ich gehe von folgendem Axiom aus: Menschen sind (auch wenn sie keine klassischen Barfußläufer*innen sind) während ihrer Kindheit/Jugend überdurchschnittlich häufig barfuß zumindest in gesellschaftlich akzeptierten Situationen.

Du selbst warst damals Kind/Jugendlicher und bist daher anderen Kindern/Jugendlichen (also die Leute, die überdurchschnittlich häufig barfuß laufen) überdurchschnittlich oft begegnet.

Als du dann erwachsen wurdest, bist du logischerweise eher Erwachsenen Menschen begegnet, die das dann nicht mehr machen.

Konkret:

Also du zur Schule gingst, hast du irgendwelche Mädels dabei beobachtet, wie sie in der Turnhalle oder auf der Tartanbahn barfuß Gymnastik oder sonstigen Sport gemacht haben. Dass die selben Mädels dann nach der Sportstunde wieder ihre Straßenschuhe angezogen haben, hast du nicht gesehen.

Vielleicht hast du ein paar Mädels gesehen, wie sie im Pausenhof im Sommer barfuß im Sandkasten gespielt haben, welche dann nach der Pause wieder die Schuhe anzogen.

Du bist vielleicht am Spielplatz gewesen und hast dort andere Kinder barfuß spielen gesehen, die nach dem Spielen wieder ihre Schuhe anzogen.

Später wurdest du erwachsen und da begegnet man eher nicht anderen Mädels im Pausenhof, bei der Sportstunde und man geht auch nicht auf den Spielplatz.

Die Staatsanwältin Franziska Mitterer aus dem Chiemgau (nicht zu verwechseln mit einer Ordensschwester gleichen Namens) betrieb während ihrer Kindheit Leichtathletik (genauer gesagt Laufen) und übte diesen Sport barfuß aus, aber auch nicht immer und außerhalb des Sports trägt sie immer Schuhe. Wärest du ähnlich alt wie sie, hättest du sie vermutlich in den 2000ern/2010ern dabei gesehen, wie sie barfuß Sport macht und dann geglaubt, dass in den 2000ern/2010ern barfuß bei Mädels total beliebt war.

In der Tat bin ich in den 2010er-Jahren zur Schule gegangen und kann mich an keine Situationen erinnern, während derer jemand aus der Schülerschaft barfuß gewesen wäre. Absolut nicht. In der kalten Jahreszeit haben alle geschlossene Schuhe getragen, im Sportunterricht Turnschuhe und in der warmen Jahreszeit hat jeder mindestens Sandalen irgendeiner Art getragen.