Kieser-Studios und barfuß

Ich habe mal ins Blaue hinein Kieser gefragt, ob sich an der Regelung, dass man nicht barfuß trainieren dürfe, etwas geändert habe. Hier die Antwort (fett von mir):

Was sagt ihr dazu?
Das Argument mit den Verletzungen (sogar TÜV-geprüft!) können wir alle bestimmt nur kopfschüttelnd lesen. Es zeigt nur, dass die meisten Menschen gar nicht mehr wissen, wie es ist, barfuß zu gehen.
Was sagt ihr zu dem „erhöhten Reinigungsaufwand?“? Wie ist das bei Yoga-Kursen usw, wo Menschen barfuß sind, muss da öfter gereinigt werden wegen Fußschweiß auf dem Boden?
Positiv finde ich, dass barfuß nicht verteufelt wird und die Zentrale es nicht schlimm fände, wenn mein Studio mir das erlauben würde.

Hallo allseit,

naja ich finde deren Argumentation schon nachvollziehbar, ich muss da an alte Turnhallenregeln denken, wo man für die Turnhalle auch extra Schuhe haben musste, die nicht auf der Straße getragen werden durften, um den heiligen Hallenboden zu schonen. Klar geht das barfuß schon auch, ist halt nur die Frage, wie lange es nach betreten des Studios dauert, bis die Zellen der Sohle sich einmal komplett erneuert haben, ich schätze mal, da kann man zwischen Eintritt und Trainingsbeginn schon paar Monate Wartezeit haben :wink:

Zum Sicherheitsaspekt tönt der Malsmheimer in meinem Kopf mit dem Satz „Sport ist nur die halbe Wahrheit, die ganze aber heißt Sportverletzung“. Selbst ohne Sport und im Wohnungsbereich wo ich ja schon deutlich länger konsequent barfuß bin, üben Türrahmen und Metallgestelle immer noch regelmäßig eine magische Anziehungskraft auf meine Zehen aus… :police_car_light: Selbst das berühmte fallende Butterbrot (oder beim Auftragen spritzendes Ketchup) ziehen es beim Fallen inzwischen vor, lieber meine Füße als den Teppichboden anzusteuern, ich vermute mal, das Hanteln und ähnliches auch von der selektiven Gravitation gebrauch machen würden, wenn ich denen nur Gelegenheit gäbe.

Ich muss aber der Vollständigkeit halber auch sagen, dass ichs eher mit dem Satz halte ‚in Deutschland ist alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist‘. Das mag zwar juristisch falsch sein, ist aber gelebter gesellschaftlicher Konsens dessen was toleriert wird und was nicht. Von daher ist meine Default-Einstellung immer, eher die ich mach mit barfuß was „verbotenes“ mal sehen ob und wo ich damit trotzdem durchkomme.

Gruß Daniel

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Das mit der Erneuerung der Hautzellen habe ich zwar noch nicht ganz verstanden, es klingt aber sehr kompetent…

Zum Thema Hanteln: Bei Kieser gibt es nur Geräte, in denen alle Teile fest miteinander verbunden sind. Da kann einem also nichts auf den Fuß fallen. Wer sich im Kieser-Studio (öfter) verletzt, wird (wie du) auch in der eigenen Wohnung oft blutige Füße bekommen. Alle anderen werden es gar nicht schaffen, sich zu verletzen, wenn sie sich nicht ganz dolle Mühe geben…

Kann mir jemand noch sagen, welchen „Hygiene-Aufwand“ Bereiche haben, in denen viele Menschen barfuß gehen (also z.B. Yoga-Räume)? Ich glaube nicht, dass die täglich desinfiziert und mit kochendem Wasser durchgespült werden.

Es geht den Betreibern nicht um gesundheitliche, sondern um ästhetische Aspekte. Wie ich selbst schon erfahren konnte, rümpfen einige bei barfuß Trainierenden die Nase. In vielen Fällen aus rein ästhetischen Gründen, weil sie sich die nackten Füße - insbesondere Männerfüße - nicht ansehen wollen. Die Betreiber beugen sich dem Wunsch der Kunden und haben entsprechende Vorstellungen, wie ihr trainieren sollt: beschuht.
Kleiner Disclaimer: In meinen über 40 Jahren Studio-Erfahrung habe ich einige wenige Male Männer mit Fußgeruch beim Trainieren erleben können. Ganz arg war es bei Büro-Hengsten, die ihre dünnen Baumwollstrümpfe den ganzen Tag an den Füßen hatten und nach der Arbeit ihre aromatischen Strümpfe den anderen präsentierten. In dem Fall gab es einige Male Ärger, wie ich live miterleben habe können. Das war in den 90ern. Und ja, es war auch für mich nicht angenehm, zusammen mit Stinkern Yoga oder Krafttraining zu machen.

Wenn ihr wirklich barfuß was für eure Gesundheit im Studio tun wollt…
nach wie vor mein alter Tipp, den ich euch ans Herz legen möchte: Nicht lang reden, nicht lang fragen. Wer viel fragt, kriegt viele Antworten. Einfach machen.

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Ich bin da ganz bei Ford, alle sicherheits- oder hygiene argumente sind lediglich rationalisierter bullshit. In wahrheit steckt eine soziale dimension dahinter.

Genau aus diesem grund wird es aber auch selten erfolgreich sein, zu versuchen, die sicherheits- oder hygienebedenken mit rationalen argumenten zu entkräften. Denn sie sind ja bereits irrational. Dann werden zur not endlos andere gründe gesucht, solange die soziale dimension bestehen bleibt.

Viel mehr muss das soziale angegriffen werden, also dass von vornherein gar nicht der wunsch entsteht, barfüßige kundschaft ausschließen. Das geht am besten in dem man mit einem guten beispiel vorrangeht. Mit gepfegten füßen, nicht riechend und gut aussehend also trendsetter vorangehen, um barfüßigkeit als etwas cooles und nachahmenswertes darzustellen. Wenn das greift, dann fallen sinnlose „vorschriften“ von ganz alleine.

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