Barfuss aus medizinischer Sicht

Hallo liebe Forummitglieder,
als Physiotherapeut und selbst Betroffener, habe ich mich intensiv mit den Effekten des Barfußgehens beschäftigt. Ich hatte über etliche Jahre Schmerzen im li. Knie und durch Bandscheibenvorfälle im HWS und LWS Bereich und daraus resultierender Spinalkanalstenose
Probleme in der Wirbelsäule. Die Knieprobleme sind durch einen schweren Skiunfall in der Kindheit entstanden, wo der Unterschenkelbruch versorgt wurde, das Kniegelenk aber nicht untersucht wurde. Seit gut 10 Jahren weiß ich durch ein MRT, daß ich da einen vorderen Kreuzbandschaden und einen gravierenden Innenmeniskusschaden habe.

Seit einigen Jahren bin ich ohne OP meine Knieprobleme los und auch die Wirbelsäule verhält sich ruhig. Diese Verbesserung fällt zeitlich zusammen, mit einer Intensivierung meines Barfußseins.

Beim Barfussgehen nehmen die Nervenzellen an der Fußsohle bedeutend mehr Informationen auf, als beim Gehen in Schuhen. Dadurch können die Nervenzellen in den darüberliegenen Gelenken eine deutlich bessere Feinjustierung vornehmen und deshalb die Belastung dort mini-
mieren.

Außerdem wird durch Barfußgehen die Fussmuskulatur gefördert, was zu einer besseren Ausbildung der Fussgewölbe führt und damit die Statik des Körpers verbessert.

Darüberhinaus wird beim Mittel- und Vorfussgang die Aufprallerschütterung drastisch vermindert, sowie die Schrittlänge verkürzt. Dies ist sowohl für die Beingelenke, als auch für den Rücken günstig.

Auch die Zehengelenke profitieren von der Förderung der Beweglichkeit durch das Barfussgehen.

Das sich Barfussgehen befreiend und super anfühlt, brauche ich hier nicht weiter auszuführen.

Aus dem Geschriebenen ergibt sich : Wer barfuss geht ist klar im Vorteil.

Liebe Grüße

Carsten

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Hallo Carsten,
vielen Dank für Deine fachmännische Zusammenstellung der Vorteile des Barfußgehens. Sehr interessant und lehrreich. Das bestätigt und ergänzt wunderbar die 10 Ge(h)bote, die ich mal ganz laienhaft aus meinen zahlreichen Recherchen und Erkenntnissen zusammengetragen habe.
Würde mich interessieren, was Du aus medizinischer Sicht davon hältst:

Grüße
Forbi

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Hallo Carsten, vielen Dank auch von mir!
Ich werde immer wieder gefragt, warum ich denn nicht Barfußschuhe anziehe bzw. wird darauf als gleichwertig verwiesen.
Ich argumentiere dann immer mit so Sachen wie, dass auch Barfußschuhe die Beweglichkeit des Fußes reduzieren. Deine Punkte sind nochmal eine gewichtige Zusatzinformation, dass wirklich nur „echtes“ Barfußlaufen den optimalen Effekt hat.
Viele Grüße, Georg

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Wozu überhaupt sich die Mühe geben, Argumente zu suchen? Muß ich mich für irgendwas rechtfertigen? „Barfußschuhe“ sind trotzdem Schuhe, und nicht barfuß. Punkt.

Und Fleischsalat ist kein Salat, Flüssiggas kein Gas, ein Busbahnhof kein Bahnhof, ein Hörbuch kein Buch, Hassliebe keine Liebe, …

Worauf ich hinaus möchte: Solche Oxymorons sind ganz normal. Sie sind zwar 1 Oxymoron, aber jede*r weiß was gemeint ist.

Barfußschuhe sind eben Notschuhe, die zwar schlechter sind als barfuß, aber im Vergleich zu klassischen Schuhen das geringere Übel.

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Ich weiß nur nicht, wo die guten Argumente fürs Barfußlaufen enden und der Rechtfertigungstick oder -zwang für irgendwas gefühlt „anormales“ anfängt. Siehe die Motivdiskussion - ich wette, die Mehrzahl der Argumente suchen wir uns nachträglich zusammen, um uns irgendwie… ja, zu rechtfertigen, gradezu wie wenn wir uns entschuldigen müssten, daß wir barfuß laufen.

Das hängt doch von der Art der Fragestellung ab.
Wenn jemand nett und interessiert nachfragt, muss ich meine Antwort nicht als Rechtfertigung anlegen/verstehen.
Wenn die Frage konfrontativ daherkommt, kann ja jeder und jede je nach momentanem Aggressionslevel entscheiden, ob es sich lohnt, darauf zu antworten.
Und Hilfe, das ausreichende Standing zu bekommen, um diese Situationen zu unterscheiden, gibt es hier im Forum.

Dann frag doch zurück, warum die Leute nackt unter die Dusche gehen. Sie können doch auch einen dünnen Neoprenanzug anziehen. Darin wird man ja auch nass… :roll_eyes:

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und rein praktisch gesehen: Ich hab zwar die K- und - seit den Extremsommern der letzten Zeit - auch die W/H-Frage bekommen, aber Barfußschuhe angeraten hat mir noch niemand jemals, und schon gleich gar nicht als „gleichwertig“ andrehen wollen. Das Thema, was mensch dann als Barfüßler*in anzieht, kam wenn, dann im Verlauf der guten Gespräche auf, wenn es um Eingewöhnung geht, um Bewegen an den Temperaturgrenzen, um objektiv unignorierbare Gefahrenzonen oder um den Umgang mit Situationen, wo „beschuht“ alternativlos sozialadäquat ist (Wiener Oper…)

Hallo Forbi,
ich finde die 10 Ge(h)bote recht gut. Meine Antwort fällt jetzt kurz aus, da ich morgen in den Urlaub fliege.
Nach dem Urlaub könnte ich Dir, bei Bedarf , genauer antworten.
Freundliche Grüße
Carsten

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Hallo Georg,
ich glaube, dass Barfußschuhe in der Wirkung zwischen barfuß und üblichen Schuhen liegen. Die Beweglichkeit des Fußes ist wohl recht gut, die Verarbeitung von Sinnesreizen vermutlich etw. schlechter. Ich selbst habe sie aber noch nicht probiert, da ich im Sommer nicht in geschlossenen Schuhen gehen mag. Ich trage dann für kürzere Strecken FlipFlops. In der Kalten Jahreszeit überwiegend normale Schuhe mit flexibler Sohle und breitem Vorfußbereich, z.B von Think.

Mit freundlichem Gruß
Carsten

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MEINE Lieblings-Antwort auf die Frage nach „Barfußschuhen“:

„Die passen nur zum FKK-Anzug! Aber der ist gerade in der Reinigung“

PS: MEIN Lieblings-Oxymoron-Beispiel (komisch, dass das anscheinend - NICHT scheinbar! - noch niemandem aufgefallen ist):

„Republikflucht“