Hallo Prediger, hallo Nobbi,
danke für eure Antworten, aber ich muss euch hier aus meiner eigenen Praxis heraus deutlich widersprechen.
@Prediger: Du verwechselst hier eine genetische Startvoraussetzung mit fehlendem Trainingsreiz. Deine Aussage erklärt im Grunde genau, warum du trotz 20 Jahren Barfußlaufen bei -2°C stagnierst. Das Erreichen einer extremen Temperaturbeständigkeit funktioniert biologisch exakt wie gezielter Muskelaufbau. Ein Muskel wächst nicht, wenn man immer nur das gleiche, leichte Gewicht hebt und sofort aufhört, sobald es anstrengend, unangehm oder sogar schmerzt. Er wächst erst durch den Reiz der Überlastung – also dann, wenn es unangenehm wird und an die Schmerzgrenze geht.
Wenn du bei -2°C abbrichst, um Schäden zu vermeiden, bekommt dein Körper schlichtweg niemals das Signal, seine Kapillardichte und die Durchblutungsleistung (Hunting-Reaktion) für -15°C auszubauen. Ich lebe seit 10 Jahren zu 100 % barfuß, laufe im tiefsten Winter bei -10°C barfuß und wandere auf Eis und Schnee. Das bei Bedarf sogar ein bis zwei Stunden unter Bewegung. Das ist keine magische Genetik, sondern das Resultat absoluter Konsequenz. Wenn man die physikalische Härte der Natur immer nur bis zur eigenen Komfortzone zulässt und dem Schmerz ausweicht, passt sich der Organismus auch nach Jahrzehnten nicht weiter an.
@Nobbi: Du hast in einem Punkt recht: Die Tagesform spielt absolut eine Rolle. Die Thermoregulation wird vom zentralen Nervensystem gesteuert. Wenn man schlecht geschlafen hat, gestresst ist oder das Immunsystem mit einem Infekt kämpft, zieht der Körper als Schutzmaßnahme Wärme aus den Extremitäten ab, um die Kerntemperatur der Organe zu sichern. An solchen Tagen friert man natürlich viel schneller.
Aber: Die Tagesform bestimmt lediglich, wie viel von deinem antrainierten Potenzial du an genau diesem Tag abrufen kannst. Sie ersetzt nicht das Training. Mein absolutes Limit liegt bei -15°C bis +52°C. Diese enorme Bandbreite habe ich mir erarbeitet, indem ich bei jeder Witterung über Stock und Stein gehe und nicht nur an guten Tagen am Strand.
Mein Fazit: Extreme Widerstandsfähigkeit ist kein Zufall und kein reines Geschenk der Genetik. Man muss den Reiz konsequent setzen, auch und gerade dann, wenn es ungemütlich wird. Doch es dauert. Erst im zweiten Winter wurde es „erträglich“. Im dritten Winter empfand ich es als normal. Heute denke nicht darüber nach ob es kalt oder warm ist. Ich gehe einfach raus, egal wie das Wetter ist.