Barfuß durch den Winter

Ich laufe seit ca 2001 überwiegend barfuß. Seit 2015 trage ich so gut wie gar keine Schuhe mehr. Inwzwischen ist mein Körper und meine Füße extrem gut auf kalte wie warme Witterung angepasst. Die letzten Jahre ging ich komplett barfuß durch den Winter.
Achtung: Es braucht viel Zeit bis man Temperaturen von Minus 10 bis plus 50 Grad Bodentemperatur unbeschadet barfuß laufen kann. Also nichts für Anfänger oder Fortgeschrittene.

Ich will nur damit zeigen, das es tatsächlich ist bei beinahe jeder Witterung Schuhwerk nicht zwingend notwendig ist. Allerdings, geht das nicht von heute auf morgen und es gibt physikalische Grenzen. Barfußlaufen ist in Bereich von Minus 15 bis plus 55 Grad möglich. Ich persönlich schaffe problemlos bis zu minus 10 Grad über mehrere Stunden unter Bewegung. 50 bis 55 Grad Bodentemperatur sind auch machbar, stets unter Bewegung.

Mein großes Ziel 2026: Eine Wanderung in den Bergen und Schluchten auf Kreta im Juni 2026 komplett barfuß zu bestehen. Beim letzten mal, waren meine Füße nach ca. 3 Stunden erschöpft. Ich trainiere gezielt darauf hin.

7 „Gefällt mir“

Ich muss feststellen, dass es da scheinbar verschiedene genetische Vorraussetzungen gibt. Ich selbst gehöre zu den Warmtypen, trotz über 20 Jahre Quasie dauerbarfuß hat sich bei mir kein zusätzlicher Trainingseffekt eingestellt, ab -2°C begrenzt sich die Aufenthaltsdauer ohne Schäden. Ein paar wenige Minuten sind auch noch bei -18°C möglich. Ich weiß aber von Leuten die eben auch bei -18°C noch über 45 Minuten ohne Schäden ausharren können, das kann ich definitiv nicht. Also vorsichtig, die Eigenen Grenzen im Bezug auf Temperatur sind durch Training kaum änderbar.:wink::footprints:

3 „Gefällt mir“

Das, wie ich finde, ist auch Tagesform abhängig!
Mal geht es besser, mal schlechter!
Gruß Nobbi

3 „Gefällt mir“

Hallo Prediger, hallo Nobbi,

danke für eure Antworten, aber ich muss euch hier aus meiner eigenen Praxis heraus deutlich widersprechen.

@Prediger: Du verwechselst hier eine genetische Startvoraussetzung mit fehlendem Trainingsreiz. Deine Aussage erklärt im Grunde genau, warum du trotz 20 Jahren Barfußlaufen bei -2°C stagnierst. Das Erreichen einer extremen Temperaturbeständigkeit funktioniert biologisch exakt wie gezielter Muskelaufbau. Ein Muskel wächst nicht, wenn man immer nur das gleiche, leichte Gewicht hebt und sofort aufhört, sobald es anstrengend, unangehm oder sogar schmerzt. Er wächst erst durch den Reiz der Überlastung – also dann, wenn es unangenehm wird und an die Schmerzgrenze geht.

Wenn du bei -2°C abbrichst, um Schäden zu vermeiden, bekommt dein Körper schlichtweg niemals das Signal, seine Kapillardichte und die Durchblutungsleistung (Hunting-Reaktion) für -15°C auszubauen. Ich lebe seit 10 Jahren zu 100 % barfuß, laufe im tiefsten Winter bei -10°C barfuß und wandere auf Eis und Schnee. Das bei Bedarf sogar ein bis zwei Stunden unter Bewegung. Das ist keine magische Genetik, sondern das Resultat absoluter Konsequenz. Wenn man die physikalische Härte der Natur immer nur bis zur eigenen Komfortzone zulässt und dem Schmerz ausweicht, passt sich der Organismus auch nach Jahrzehnten nicht weiter an.

@Nobbi: Du hast in einem Punkt recht: Die Tagesform spielt absolut eine Rolle. Die Thermoregulation wird vom zentralen Nervensystem gesteuert. Wenn man schlecht geschlafen hat, gestresst ist oder das Immunsystem mit einem Infekt kämpft, zieht der Körper als Schutzmaßnahme Wärme aus den Extremitäten ab, um die Kerntemperatur der Organe zu sichern. An solchen Tagen friert man natürlich viel schneller.

Aber: Die Tagesform bestimmt lediglich, wie viel von deinem antrainierten Potenzial du an genau diesem Tag abrufen kannst. Sie ersetzt nicht das Training. Mein absolutes Limit liegt bei -15°C bis +52°C. Diese enorme Bandbreite habe ich mir erarbeitet, indem ich bei jeder Witterung über Stock und Stein gehe und nicht nur an guten Tagen am Strand.

Mein Fazit: Extreme Widerstandsfähigkeit ist kein Zufall und kein reines Geschenk der Genetik. Man muss den Reiz konsequent setzen, auch und gerade dann, wenn es ungemütlich wird. Doch es dauert. Erst im zweiten Winter wurde es „erträglich“. Im dritten Winter empfand ich es als normal. Heute denke nicht darüber nach ob es kalt oder warm ist. Ich gehe einfach raus, egal wie das Wetter ist.

4 „Gefällt mir“

Frage in die Runde: Wer von euch hat vor auch barfuß durch den Winter zu gehen? Falls ja, wie bereitet ihr euch darauf vor?

1 „Gefällt mir“

Hallo allseits,

also ich habe das Thema mit Interesse gelesen, und dann drüber nachgedacht, ob ich heuer etwas anders als die letzten Winter machen würde wo ich noch ganzjährig Flip-Flops trug. Resultat: Ich denke, ich werde auch heuer eher dazu tendieren, lieber aufs eigene Wohlbefinden zu achten. Sicher, ich bin da jetzt keine Referenz, trotzdem glaube ich, das nicht jedes Ziel für jeden Menschen gleich sein muss. Ja,manchen es ist möglich, den Körper wie ein Extremsportler ans absolute Limit zu bringen, und wer das möchte, den will ich auch nicht davon abbringen. So wie eben auch manche Freude dran finden, Kalt zu duschen, oder Bungee Jumping zu machen, auf Nagelbetten zu schlafen, oder einen optisch perfekten Körper zu unterhalten.

Aber für mich persönlich gilt, das eine Sache überleben und an einer Sache Genuss zu haben zwei verschiedene Sachen sind.
So wie beim optisch perfekten Körper gilt, dass ich auf so viel Lebensfreude verzichten müsste, wenn ich diesen jetzt noch anstreben wollte (erreichen würde ich ihn eh nicht mehr zu Lebzeiten…), so muss ich das für mich auch für Barfuß bei zu niedrigen Temperaturen im Winter feststellen. Nicht alles, was mich vielleicht nicht gleich umbringt ist deshalb schon erstrebenswert. Ich habe so schon eine engen Wohlfühlgrenzen in Sachen Temperatur (mein Wohlfühlbereich hat nur eine Spannweite von 3 Grad rauf und runter).
Von daher werde ich wohl auch den Winter überwiegend wieder zumindest in Flip Flops verbringen wenn Schnee liegt, und das auch nur solange es um tägliche Versorgungsgänge oder Wege zur Arbeit handelt, wo ich maximal eine viertelstunde draußen bin und dann wieder entweder in der U-Bahn oder im Zug bin. Oder wenn es um einen Spaziergang geht, wo ich jederzeit als Abbruchkondidion einen erreichbaren warmen Ort habe. Sollte ich im Winter aber mal irgendwo hinfahren sagen wir mal einen Besuch an der Zugspitzbahn, werde ich mit Sicherheit nicht versuchen den barfuß oder in Flip Flops zu absolvieren, weil die Gefahr erfrorener Gliedmaßen oder die Vorstellung danach gar was amputiert zu bekommen, wäre meinem Wohlbefinden definitiv abträglich. In der Hinsicht fühle ich kein Bedürfnis, es mir oder anderen zu beweisen, und irgendwelche Rekorde auf zu stellen. Auch geschlossene Schuhe wenn ich fühle, das ich was ohne nicht packe, schließe ich definitiv nicht aus

Gruß Daniel

2 „Gefällt mir“

@DSV Wie du es schon richtig erkannt hast, es ist kein Leistungssport. Es geht um die richtige Balance zu finden.

Ich kann dir jedoch sagen, je länger du barfuß läufst, desto mehr passt sich der Körper automatisch an.

Es ist wie beim Sport. Je öfter ich trainiere, desto mehr bin ich im Stande zu leisten. Das kommt von ganz alleine. Ich hatte damals nicht wirklich vor ganzjährig barfuß zu sein. Das hat sich von ganz alleine gegeben. Ich bemerkte einfach, das es mir die Kälte immer weniger ausmachte. Irgend wann trug ich gar keine Schuhe mehr.

Ähnlich ist es auch mit den Untergründen. Anfangs mied ich Schotterwege und groben Untergrund. Mit der Zeit wurde es zur „Normalität“.
Sicher, ein glatter, weicher Boden ist angenehmer, doch das Feedback von einem rauen anspruchsvollen Untergrund möchte ich nicht mehr missen. Das gilt auch für die Kälte oder Hitze. Ich denke es hat was mit dem „Spüren und Erleben“ zu tun.

Allerdings muss man am Ball bleiben. Schon wenige Wochen ohne Wald und Schotterwege zu erspüren, nimmt der Widerstand den man sich aufgebaut spürbar ab.
Man muss also stets „trainieren“, was für ein 24/7 Barfüßer kein Problem darstellt.

Keiner muss zum Hardcore-Barfußläufer werden. Wichtig ist, das man überhaupt einen gewissen Anteil barfuß ist. Der Körper und Geist danken es einem.

4 „Gefällt mir“

Moin Jim,

Ich kann das was du schreibst alles bestätigen. Ich habe mich von Jahr zu Jahr gesteigert, ohne das ich ein festen Plan hatte. Es ist einfach eine Entwicklung und man merkt ja wann man eine seine Grenzen kommt. Also einfach „laufen“ lassen.

Gruß Ralf :footprints:

4 „Gefällt mir“