mir wollten auch schon mehrere leute schuhe schenken. das ist ganz „normal“. obwohl wir in einem land wohnen, wo jeder einen paar schuhe bekommen kann. beim lidl fragte mich einer nach meiner schuhgröße. ich dachte mir nichts dabei. 10 min später kam er mit einem paar schuhe auf mich zurück. da braucht es erklärungsgeduld.
Das ist ja witzig, noch nie hat mich jemand nach meiner Schuhgrösse gefragt, wenn er mich barfuß gesehen hat!
Einmal in der Apotheke fragte mich der Mann hinter mir in der Schlange ob das eine bewusste Entscheidung sei oder ob ich Schuhe bräuchte. Er hatte ein Paar im Auto, das er mir geben konnte. Ich bedankte mich, und sagte dass es tatsächlich eine bewusste Entscheidung sei und ich keine Schuhe bräuchte.
Ein anderes Mal, ein Mann in seinem Auto ließ die Scheibe herunter, und reichte mir ein Paar Sandalen, als ich an der Ampel wartete. Natürlich lehnte ich erneut höflich ab.
Es ist erstaunlich, wie viele lustige Begegnungen man einfach nur barfuß erleben kann!
Auf die frage nach der schuhgröße wäre die richtige antwort „keine ahnung, ich habe noch nie schuhe gebraucht“ (wobei das zugegeben in unseren breiten etwas schwierig wird).
Hallo, ihr Barfüßerinnen und Barfüßer,
es ist seltsam, dass sich das Vorurteil barfuß = arm so lange halten kann. Ich kenne es noch gut aus meiner Jugenzeit im Dorf, aber das ist ja nun schon einige Jahrzehnte her.
Damals waren viele Leute noch von der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt, in der Schuhe wirklich ein Statussymbol waren - und ihr Fehlen dementsprechend ein Makel.
Vor allem in der Schule war zu erkennen, wer „von hier“ war, nicht unbedingt reich, aber gut vernetzt und in der Lage, irgendwie Schuhe für die Kinder zu beschaffen. Die Flüchtlinge und Vertriebenen schafften das oft nicht. Ihre Kinder mussten barfuß zur Schule gehen.
Von Leuten, die damals zur Schule gehen mussten, und zwar in Schuhen, habe ich aber auch gehört, dass sie viel lieber auch barfuß gewesen wären.
Viele Grüße,
Peter
Vielen Dank, das ist sehr interessant zu lesen.
Es ist auch ein bisschen traurig, weil es uns die tiefe Armut, mit der viele Menschen in der Nachkriegszeit konfrontiert waren, noch deutlicher vor Augen führt.
Letztes Jahr traf ich beim Wandern eine Neuseeländerin, die mir erzählte, dass es dort üblich sei, dass Kinder barfuß zur Schule gehen, wegen der großen Hitze und ihres eher entspannten Lebensstils. Barfuß laufen ist tief in ihrer Kultur verwurzelt.
Hallo Michael,
danke für dein Lob und auch die Weitergabe deines Austauschs mit der Neuseeländerin. Die Barfußfreundlichkeit dort scheint wirklich vorbildlich zu sein. Toll, dass die Kinder damit aufwachsen und ganz selbstverständlich barfuß zur Schule gehen. Mit gewissen Abstrichen wegen der anderen klimatischen Verhältnisse wäre das doch auch bei uns möglich. ![]()
Herzliche Grüße
Peter
Eigentlich gibt es in Neuseeland überhaupt keine „große Hitze“. Das Land hat kein heißes, sondern ein überwiegend mildes, ozeanisches Klima, windig, feucht und wechselhaft. Anders als in Australien sind die Temperaturen im Sommer durchschnittlich eher bei etwa 24–26 Grad. Klimatisch erinnert es eher an die französische Atlantikküste oder an Irland als an tropische Hitze.
Und tatsächlich ist starke Hitze zum Barfußlaufen oft eher hinderlich als förderlich.
Ich glaube, Barfußlaufen ist in Neuseeland kulturell einfach weniger sozial dramatisiert, zum einen dank der sehr präsenten Maori-Kultur, zum anderen, weil das heutige Neuseeland ein „neues“ Land mitten im weiten Pazifik ist, mit einem entspannteren Verhältnis zu gesellschaftlichen Konventionen als das alte Europa. Der Zusammenhang „barfuß = arm“ ist dort historisch deutlich schwächer ausgeprägt, weil diese europäischen Klassenbilder der jüngeren Geschichte dort nicht in derselben Form erlebt wurden.
Ja, deine Argumente sind in der Tat sehr treffend und erklären wohl besser, warum barfußlaufen in Neuseeland so verbreitet ist.
Tatsächlich lag ich falsch, als ich sagte, es sei dort sehr heiß. Ich hatte noch nie das Vergnügen dorthin zu fliegen.
Hallo allseits,
auch wenn ich jetzt net übermäßig reich bin, liebe ich es bisweilen die Erwartungshaltung der Leute zu zerstören, auch wenn es mir noch nicht im Zusammenhang mit barfuß gelang, aber vor paar Jahren hab ich zusammen nit nem anderen Eisenbahner ner Tour zu fast sämtlichen Schmalspurbahnen Sachsen gemacht, und da das noch vor Corona war, wo die meisten Hotels noch bezahlbar war, hatten wir keine Hotels reserviert sondern einfach spontan uns vor Ort für die Hotels entschieden. Wir hatten uns nichtmal besonders „ärmlich“ gekleidet, sondern halt zweckmäßig für den Zweck, jeden Tag mit einem anderen Dampfzug zu fahren, und dabei auf der Plattform schon auch mal Ruß und Ascheorden zu bekommen. In Annaberg-Buchholz hat man uns schon so über den Tresen angekuckt mit der Frage: „Können sie sich das leisten?“ Das lustige: Jeder von uns hätte das Hotel alleine problemlos für den andern mit zahlen können, und im Gegenteil, WIR bestanden auf Bezahlung gleich am Tresen und bar, weil wir am nächsten Tag früh starten wollen…
Noch extremer dann in Zittau, wo man uns gleich empfahl, wir mögen doch lieber ins günstigere Hotel paar Straßen weiter gehen und gar nicht erst versuchte, uns irgendwie einzuchecken. OK, wir haben dadurch gespart, aber wir hatten ein Budget von 750 pro Person für den Urlaub, aber die Hotels wollten unser Geld einfach nicht… ![]()
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Gruß Daniel
Keine kollaterale am rande:
Es gibt immer wieder mal charity-aktionen mit denen menschen in entwicklungsländern mit schuhen ‚beglückt‘ werden sollen. Häufig in verbindung mit einem heute-laufen-wir-einen-tag-barfuß-tag um auf das ‚problem‘ aufmerksam zu machen.
Das ist eine ganz ganz schlechte idee, und ich möchte allen raten bei so etwas nicht mitzumachen und es nicht weiterzuverbreiten.
Letztenendes ist das werbung für schuhe unter falschen prämissen.
Es ist wunderbar dass noch viele menschen in weniger entwickelnten ländern nicht von der zivilisationsseuche ‚schuhe‘ abhängig gemacht wurden. Das soll möglichst so bleiben. Was diese menschen dort eher benötigen ist infrastruktur, kanalisation und gesundheitsversorgung. Wer also unbedingt etwas gutes tun will sollte seine energie oder spenden dorthin investieren anstatt mitzuhelfen den markt für billige plastikschuhe zu vergrößern.
Ich stimme ihnen zu. Schuhe gehören bei weitem nicht zu den ersten Dingen, die Menschen in Entwicklungsländern benötigen.
an CSBF
Hm, schwierig würde ich sagen. Also nein ich würde so eine Veranstaltung auch nicht mitmachen, wobei ich auch nicht, wenn ich versehentlich an so einer Veranstaltung barfuß vorbei käme, mir extra Schuhe anziehen würde, nur um mich zu distanzieren. Aber ich würde diese Bemühen jetzt auch nicht als das größte Problem sehen. Ich unterstelle mal, das die Leute, die sowas veranstalten durchaus gute Intensionen haben. Ich würde das an zwei Sachen festmachen.
a) Ich befüchte ehrlich gesagt, das Privilleg barfuß leben zu können, lässt sich an 2 Arten von Lebensumständen festmachen. Die einen sind: Völker die in völlig naturbelasenenen Gegenden und Kulturen leben, wo es seit Jahrhunterten so üblich ist und die Umwelt und Lebensweise perfekt aufeinnader abgestimmt sind, die haben unglaubliches Glück. Auf der anderen Seite sind wir hier, die tendeziell alle in gut entwickelten relativ sauberen Ländern leben, guten Zugang zu Medizin haben und insgesamt eine Welt haben, in der trotz entwickelt sein barfuß leben inzwischen wieder möglich macht. Warum sage ich wieder? Weil unser Land auch Zeiten hatte, wo sich die Fäkelienströme über die Straßen unserer Städte ergossen, und gleichzeitig die Medizin sich eher als Quacksalberei umschreiben ließ, wo ein barfußer Lebenstil nicht unbedingt ein langes Leben bedeutet hätte. Aber dann gibt es ja noch erheblich viele Menschen, die weder als Naturvölker, noch in der ersten Welt leben. Ich habe da neulich wo die Berichte über den Ausbruch das Hantavierus gesehen mit dem Leuten, die auf der Müllkippe Vogelbeobachtung gemacht haben und da dran denken müssen: Es gibt (leider) Gegenden auf den Planeten, wo die Menschen nicht nur zum Vogelbeobachten auf die Müllkippe gehen, sondern da leben. Und ehrlich gesagt fürchte ich, diesen Menschen zu empfehlen, barfuß zu bleiben, wäre der falsche Rat. Für solche Menschen verstehe ich, wenn man mittels Charity versucht, wenigstens mit einfachen Mitteln eine Verbesserung derer Lebensumstände zu erreichen. Weil korrupte Herrscher außer Land zu jagen und eine gerechter Verteilung der Mittel zu erreichen, oder Wellblechhütten an die Kanalisation an zu schließen ist halt ungleich schwerer.
b) Das andere ist: Auch wenn uns die gesellschaftlichen Konventionen ggf teils zuwider sind, und wir bewusst davon abweichen, aber letzlich ist uns allen auch bewusst, das wir das auch fast nur können, wenn wir entweder ein extrem tolerantes Umfeld haben, oder uns soweit schon unentbehrlich gemacht haben, das man unseren Nutzen nicht mehr an Äußerlichkeiten wie dem Tragen von Schuhen bemisst, und man uns deswegen es durchgeehen lässt. Und viele von uns es sich auch erst ab einen gewissen Alter leisten konnten, dies als Recht einzufordern, so sein zu dürfen. Aber ich gehe mal davon aus, uns ist auch klar, das wir bei Vorstellungsgesprächen in einigen Berufen keine Chance bekämen, wenn wir dort barfuß aufkreuzten. Wenn ich nun wieder an jene Menschen in der dritten Welt denke: Wenn Schuhe tragen oder nicht den Unterschied macht, je einen Job zu bekommen oder nicht, dann muss Haltung hinter der Notwendigkeit zurück bleiben. Es ist nunmal so „Haltung muss man sich leisten können“. Die Leute, für die Charity überwiegend ist, werden sich diese Form von Haltung kaum leisten können. Wir sollten auch nicht die bei uns schon begrenzte Toleranz stillschweigend weltweit annehmen - hier im Forum gibt es ja schon berichte, das es da bei einigen Weltgegenden Unterschiede gibt. Es ist m.M niemanden geholfen, wenn er in einem sozialen Stigma verbleibt, nur damit er besser zu unserer „Andersartigkeit“ passt.
Von daher würde ich es nicht in Bausch und Bogen verurteilen. Im Gegenteil - hätte ich noch brauchbare Schuhe, die jemand in der dritten Welt, der sie wirklich nötig hat auftragen könnte - wegen mir könnte er sie haben.
Gruß Daniel
Weitere probleme solcher aktionen:
Örtliche schuhmacher (ja die gibt es auch in entwicklungsländern) werden um ihr geschäft gebracht.
Nach ein paar jahren sind die schuhe weder reparierbar noch rezyklierbar und vergrößern in den zielländern nur die müllberge. (Ähnliches gilt für andere sachspenden: aus der überflussgesellschaft heraus entsteht das gefühl, was gutes getan zu haben, aber am ende sind sie nicht nutzbar oder verursachen sogar mehr probleme als zu helfen, da wurde auch über das altkleidergeschäft schon einiges aufgeklärt.)
Wer die fähigkeit, überall barfuß zu laufen, verlernt, wird von schuhen abhängig gemacht … (ja wie erwähnt). Ich stimme dir zu, nachhaltig wäre infrastruktur medizinischer und sanitärer art. Vor allem aber mal die örtliche wirtschaft ansehen und die leute fragen, an was es ihnen am ehesten fehlt.
Und aus aktuellem anlass (1. Juni) hier, genau das meine ich:
Diese aktion, von der Wohltätigkeitsorganisation Soles4Souls initiiert, hat nichts mit dem barfußlaufen als solches zu tun, sondern ist einfach eine verkappte spendenaktion für schuhe.
Dadurch werden schuhe in ein licht gerückt, in das sie meines erachtens nicht hingehören, als etwas heilsbringendes, erlösendes.
Laut eigenangaben sollen durch das barfußlaufen die menschen sich daran erinnern was es bedeutet keine schuhe zu haben (sic!). Als sei dies etwas schlechtes.
Nein, schuhe sollten vor allem als zivilisationskrankheit betrachtet werden und als etwas, von dem wir lernen sollten uns zu befreien und das es zu überwinden gilt.
Natürlich gehe ich auch heute am 1. Juni den ganzen tag barfuß, wie ich es jeden tag mache.
Nur werde ich bewusst keinerlei bezug auf diese aktion nehmen, und sie auch nicht teilen (außer in diesem kontext), weil sie das barfuß laufen unter eine falsche prämisse stellt.
Jeder tag ist barfuß tag!
US-Amerikaner (nicht nur die, aber diese ganz besonders) leben großteils in der auffassung, dass es nicht möglich sei, sich ohne schuhe außerhalb des hauses und ohne auto außerhab des eigenen grundstücks zu bewegen … (und wissen ohne fernseher oder andere bildschirmgeräte vermutlich in ihrer freizeit nichts mit sich anzufangen).
Das alles ist ab und zu sinnvoll, aber während eines großteils des lebens gut verzichtbar und sich davon zu befreien, ist nicht askese, sondern ein gewinn.
Vielen Dank fürs Teilen!
Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie einen Barfußtag gibt!
Ich fand den Artikel etwas widersprüchlich. Einerseits betonen sie, wie wichtig es ist, bedürftigen Menschen Schuhe zur Verfügung zu stellen, andererseits haben sie aber auch die Vorteile des Barfußlaufens hervor.
Natürlich ist auch für mich jeden Tag ein Barfußtag!![]()
Und wie ist das genau gemeint mit dem „Leisten“? Finde das Wort irgendwie leicht unpassend und etwas hochnäsig.
Diese Aktion ist ja furchtbar! Man soll barfuß gehen, um zu spüren, wie schrecklich und grauenvoll das Barfußlaufen ist und wie viel besser es doch ist, am besten 24 Stunden am Tag Schuhe zu tragen!
Dieser Tage ist es mir auch passiert, dass besorgte Mitmenschen dachten, ich könne mir keine Schuhe leisten. War spätabends in einem Kneipenviertel unterwegs. Es war noch warm und viele saßen draußen. Ich gehe an einem Tisch vorbei, einer der jungen Männer steht auf und folgt mir ein paar Schritte. Um mich dann sehr höflich und diskret anzusprechen. So in etwa, sorry, darf ich dich kurz stören, ich mache mir einfach nur Sorgen, weil du barfuss bist. In meiner Gruppe ist ganz sicher jemand dabei, der dir gerne ein paar gebrauchte Schuhe in deiner Größe geben kann.
Ich sagte ihm, dass ich freiwillig und vor allem sehr gerne barfuss unterwegs bin. Er war daraufhin richtig erleichtert und meinte, verstehe ich total, in meiner Heimat (Indien) ist das auch total üblich. Nur hier in Deutschland habe ich das kaum noch gesehen. Aber dann ist ja alles gut und bitte entschuldige die Störung.
Fand ich dann total klasse und hab ihn auch sehr dafür gelobt, denn
- hätte ja sein können, dass ich meine Schuhe verloren habe und in Not bin
- er hat mich sehr diskret angesprochen, ohne gleich den ganzen Tisch bzw. die Umgebung einzubinden
- er hat sofort und sehr gut verstanden, dass barfuß laufen nichts „Schlimmes“ ist, sondern leider (!!!) nur sehr ungewöhnlich in unseren Breiten…
Also ein rundum positives Erlebnis.
Übrigens haben mich an dem Abend noch einige weitere Personen angesprochen und interessanterweise wissen fast alle, dass barfußlaufen sehr gesund ist, bzw. fragten interessiert nach, was die Vorteile sind. Und einige wollten es dann auch probieren… na ja, schau’n wir mal, ob sich die Barfüßerquote endlich wieder erhöht.
Das ist eine tolle Anekdote, danke fürs Teilen!![]()
