Heute, vor knapp einer Stunde, habe ich mich endlich getraut auch zu meiner Therapiestunde die Schuhe wegzulassen.
Am liebsten wäre ich 24/7 barfuß, doch in meiner Heimatstadt traue ich mich das noch nicht.
Doch Stück um Stück steigere ich mich, so wie heute.
Auf dem Weg zum Auto (da es ja direkt bei meinem Zuhause steht) hatte ich noch meine Barfußsandalen an. Sobald ich aber im Auto war verschwanden diese ganz schnell unter dem Beifahrersitz.
Schon auf der kurzen Fahrt zur Praxis in den Stadtkern war ich aufgeregt und überlegte mir gut, ob ich das durchziehen wollte. In der Tiefgarage unter der Praxis angekommen fasste ich mir Mut und ließ die Schlappen im Auto. Von der Garage nach oben musste ich nur eine kleine Treppe hochgehen, dann war ich ganz kurz für alle auf der Straße sichtbar, doch ich glaube mich hat kaum wer bemerkt. Als ich dann durch die Eingangstür unten im Gebäude kam, war das schlimmste geschafft.
Es ging nurnoch eine kleine Treppe im Gebäude hoch und schon stand ich vor der Praxis. Vor den klingeln war ich aber wieder aufgeregt, wie könnte ich bei meiner Therapeutin ankommen?
Doch mir wurde auch direkt klar, wie schwachsinnig das war und das meine Therapeutin mir schon längst das Go gegeben hatte bei ihr auch barfuß aufzukreuzen.
Zu Beginn der Stunde ist es ihr gleich aufgefallen und sie sagte: „Wie ich sehe bist du dir dem barfußlaufen treu geblieben.“ Keine Ablehnung, kein komischer Blick, gar nichts. Hätte ich mir auch denken können.
Dennoch war es viel aufregender als sonst in der Therapie. Dort kann ich auch mal persönlich mit jemandem über meinen alternativen Lebensstil reden, was mir viel Kraft gibt. So erzählte ich ihr auch ausgiebig von meinen Erfahrungen im Urlaub ohne Schuhe.
Mir kamen aber auch unangenehme Gedanken wie: „Wenn ich im Schneidersitz hocke, könnte ich dann nicht ausversehen den Stuhl dreckig machen?“ oder „Hoffentlich schwitzen meine Füße nicht so sehr am Boden und ich hinterlasse Abdrücke.“ Ich hoffe, ihr versteht was ich meine.
Jedenfalls habe ich nach der Stunde den
Entschluss gefasst, den Rest des Tages oder zumindest bis ich nicht anders kann, die Schlappen weg zu lassen.
Jetzt zum Beispiel sitze ich in unserem Schrebergarten am Wald, vielleicht gehe ich gleich eine Runde dort spazieren.
Auf dem Weg in der Anlage bin ich auch zwei anderen Gartenbesitzern begegnet, die eine hatte mich freundlich begrüßt und ein anderer hatte mich kurz in ein Gespräch verwickelt, doch keiner von beiden schien Notiz zu nehmen, dass ich barfuß bin.
Ich bin extrem froh es getan zu haben, das hat sich einfach mega angefühlt.
Und vielleicht traue ich mich in Zukunft jetzt auch mehr ![]()