Es bereitet mir großen Ärger, dass viele Frauen befürchten müssen, in der Öffentlichkeit ungefragt fotografiert zu werden, nur weil sie barfuß gehen. Die Privatsphäre anderer muss respektiert werden! Ein barfüßiger Mensch ist kein Fotomotiv, sondern eine Mitbürgerin, die einfach das Gefühl von Freiheit genießt. Diese Unbeschwertheit darf nicht durch digitale Grenzüberschreitungen verloren gehen!
Was würden die Ersteller solcher Inhalte dazu sagen, wenn Fotos ihrer eigenen Schwestern oder Partnerinnen in einschlägigen Foren landen würden?
Mich würde interessieren: Habt ihr in eurem Alltag schon solche Erfahrungen gemacht? Und wie geht ihr persönlich damit um, wenn ihr mitbekommt, dass die Privatsphäre anderer für schnellen Online-Content verletzt wird?
Warum ist das in Deinen Augen eine Grenzüberschreitung?
Photo- und videographiert zu werden, gehört zum Leben in der aktuellen Zeit wohl oder übel dazu. Strafverfolgungsbehörden und vergleichbare erstellen tausende Stunden Videomaterial von jeder und jedem, auch ohne Anfangsverdacht. Das Aufnehmen von Personen im öffentlichen Raum ist nicht verboten, dennoch ist es für mich eine Unsitte, die man eben wie viele andere Unsitten tolerieren muss. Wirksame Gegenmaßnahmen kenne ich keine. Wenn jedoch jemand Bild- oder Videomaterial ohne über die gegebenenfalls erforderliche Einwilligung zu verfügen, veröffentlicht, kann man die vorgesehenen Maßnahmen ergreifen.
Während ich barfuß unterwegs war, ist mir das bislang erspart geblieben. Während meines Alltages komme ich mir jedoch vor wie ein Affe im Zoo. Überall (Überwachungs-) Kameras und manche Leute nehmen einen mit ihrem Smartphone auf.
Es ist eine Grenzüberschreitung, weil die Frauen nie zugestimmt haben, fotografiert zu werden und die Veröffentlichung solcher Bilder eine dauerhafte Zurschaustellung vor tausenden Betrachtern bedeutet.
Ich bin da ganz bei dir.
Jedoch würde ich das nicht nur auf Frauen beziehen, denn auch Männer sind davon betroffen.
Klar, oft aus anderen Gründen, aber ich finde Leute in der Öffentlichkeit zu fotografieren oder zu filmen, egal aus welchem Grund, ist absolut daneben.
Leider ist es halt wirklich so, wie hier schon beschrieben wurde, ein Übel der heutigen Zeit, welches wir nicht wirklich ändern können
auch auf die Gefahr hin, das ich jetzt alle Steine auf mich ziehe (ich kann auch nicht für die Mädels antworten) aber wenn jemand meine Füße knipst, würde ich mich glaub ich eher sogar freuen. Klar noch schöner wäre, wenn gefragt würde, aber ich kann auch damit leben wenn nicht. Wenn meine Füße wem so gut gefallen, das er sie sich länger ansehen will, als nur den Moment der Begegnung, davon nehme ich davon ja normal keinen Schaden. Und im Gegensatz zu Bildern von andern Körperteilen (wie dem Kopf) bietet es auch nicht soviel Missbrauchpotential in Sinne von DSGVO, weil man hierzulande Dokumente eher nicht mit einem Fußabdruck unterschreibt, bzw ein Fußbild auch nicht wirklich zur Altersverifikation nutzen kann, und generell aus einem Fußbild ja häufig nicht mal sicher sagen kann, ob Männlein oder Weiblein.
Wahrscheinlich bin ich aber vor allem deshalb so entspannt, weil ich früher auch gerne Fußbilder von andern im Netz gekuckt habe, und dadurch gesehen habe, wie viele sich barfuß laufen und leben trauen und mich das letztlich dann auch mit dazu motiviert hat, selbst auch mehr barfuß unterwegs sein zu wollen, noch bevor ich dieses Forum hier kannte. Wenn durch ein Bild meiner Füße sich einer dann auch traut, barfuß zu werden, dann hat es sogar m. M. einen Kollateralnutzen.
Aber ich denke mal, da wird es Befindlichkeiten quer durch die Bank egeben, von total entspannt bis hin zu Anwalt immer auf der Kurzwahl…
Ich hätte nichts dagegen, anonym in irgendwelchen bildern aufzutauchen.
Ich erinnere mich aber daran, dass das in irgendeinem österreichischen wurstblatt (Heute, Ö24 und wie sie heißen) thematisiert wurde: Jemand geht außerhalb des hochsommers in Wien barfuß und ein leserreporter schickt das ein …
(Die erfindung des „Leserreporters“ bringt solchen postillen sehr günstigen content.)
Ich stimme DSV da ziemlich zu – und würde das Thema sowieso nicht ausschließlich auf Frauen beziehen. Warum denn auch? Natürlich können Frauen in bestimmten Situationen besonders unangenehm betroffen sein, aber Rücksicht gilt für alle. Und wenn man sich im Netz umschaut, findet man auch unzählige Bilder von barfüßigen Männern.
Ganz ehrlich: wer draußen unterwegs ist, wird gesehen. Und manchmal eben auch fotografiert oder gefilmt. Das gehört in gewisser Weise zum öffentlichen Leben dazu. Natürlich sollte man niemanden bloßstellen, lächerlich machen oder in einen unangenehmen Kontext stellen. Aber ich finde, man muss auch nicht jede Aufnahme sofort dramatisieren.
Ich bin selbst einmal barfüßiges „Opfer“ davon geworden: seit vielen Jahren kursiert ein Video im Internet, auf dem man mich (bzw. eine inzwischen deutlich jüngere Version von mir) barfuß durch die Stadt laufen sieht. Jemand fand das offenbar interessant genug, um es zu filmen und hochzuladen. Wenn man mich kennt, könnte man mich sogar erkennen. Gestört hat es mich nie und ich sehe daran auch nichts Entwürdigendes. Mein Name steht natürlich nicht dabei; derjenige, der das Video hochgeladen hat, wusste ja gar nicht, wer ich bin. Erkennbarkeit ist also nicht gleich Identifikation.
Und ja: mich haben solche Bilder früher auch inspiriert – gerade die echten, ungestellten Aufnahmen, etwa von Fremden, die von hinten fotografiert wurden, ganz ohne Pose und Inszenierung. Für mich war das damals eher ein ermutigendes Zeichen: dann darf ich das doch auch! In den allermeisten Fällen erkennt man die Menschen ohnehin nicht im Gesicht und es geht auch gar nicht um diese konkrete Person, sondern um die sichtbare Selbstverständlichkeit: da läuft jemand barfuß, mitten im Alltag, und die Welt geht nicht unter.
Echte Freiheit braucht nicht nur Privatsphäre. Als jemand, der sich als junger Mann erst überwinden musste, barfuß draußen unterwegs zu sein, würde ich sagen: meine Freiheit hat damals nicht Rückzug gebraucht, sondern Öffentlichkeit – und Gelassenheit.