Erfahrungen barfuß als Kunde/Kundin

Hallo ihr,
eine Frage: Wie geht ihr damit um, wenn ihr wegen barfuß als Kunde schlecht behandelt werdet?

Ich habe folgende Erfahrungen: In einer Bankfiliale wurde ich von einer konservativ wirkenden Bankkauffrau kritisch beäugt und wirkte unfreundlich. In einer Parfümerie bot mir keine der Verkäuferinnen ihre Hilfe an, obwohl fast kein anderer Kunde da war und ich längere Zeit wartete. Vielleicht wäre mir das in Schuhen auch passiert und es liegt an der Servicewüste Deutschland.

Als ich ein Schuhgeschäft aufsuchte warfen mir einige Verkäuferinnen kritische Blicke zu. Sie dachten, ich würde die Schuhe beim barfüßigen Anprobieren dreckig machen. Dabei waren meine Füße sauber weil ich frisch von zu Hause kam.

Als ich etwas anderes kaufen wollte in einem anderen Geschäft meinte ein Verkäufer mehr oder weniger scherzhaft „Also Schuhe gibt es bei uns nicht zu kaufen.“ und wusste nicht, wie ich darauf schlagfertig reagieren sollte. Vielleicht würden euch da gute Reaktionen darauf einfallen.

Ein anderes Mal wirkte ein Mitarbeiter sehr abgelenkt und schaute immer wieder auf meine Füße. Ich habe ihn wohl verwirrt. Hat der noch nie jemanden barfuß gesehen?

Als ich ein Modegeschäft besuchte, hat ein Mitarbeiter in unfreundlichem Ton vorwurfsvoll gefragt, ob ich denn keine Schuhe dabei hätte. Relativ einfallslos aber wahrheitsgemäß verneinte ich. Er hat dann nicht mehr weitergefragt.

Positive Erlebnisse gibt es auch: In einem Blumenladen bekam ich mit, wie ein barfüßiges Paar vom Verkäufer freundlich behandelt wurde.

Lieben Gruß
Annika

Hallo Annika,
ja, das kann passieren.
Wie Du darauf reagieren sollst? So wie Du bist. Vielleicht hilft es Dir, Dir einige Gegenfragen zurechtzulegen wie z.B.: „Was empfinden Sie daran seltsam oder schlimm, wenn jemand barfuß geht?“. Vielleicht helfen Dir auch einige vorbereitete Selbstaussagen wie: „Sie scheinen sich zu wundern, dass ich barfuß gehe. Für mich ist das ganz einfach die bequemste Art zu gehen.“
Das ist zugleich eine gute Übung für das eigene Bewusstsein. Du wirst Dir klarer, warum Du barfuß gehst und dass dies nichts Besonderes ist.
Mein neuester Spruch, wenn jemand erstaunt von sich gibt: „Oh, Sie sind ja barfuß!“ ist: „Ja, korrekt und in China ist gerade ein Sack Reis umgefallen.“ Das antworte ich natürlich nicht, wenn jemand interessiert nachfragt, sondern nur dann, wenn jemand ohne Kommunikationsanliegen dies konstatiert.
Der Vorteil: Ich stehe nicht belämmert herum, sondern agiere. Ich greife niemanden an (z.B. wenn ich antworten würde: „Und Sie haben ungesunde Schuhe an!“). Vor allem aber „entlarve“ ich die Aussage als etwas völlig Irrelevantes. Und genau das ist es, was Barfuß-Gehen sein sollte.
Viel Erfolg bei Deinen weiteren Erfahrungen!
Liebe Grüße,
Georg

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Hallo Annika,

ich gehe es mal chronologisch an:

„kritisch beäugt“ … , na ja, das ist natürlich auch einerseits verständlich, andererseits durchaus interpretationsfähig (ohne deine Empfindung jetzt in Frage stellen zu wollen!)

Aber ich habe zu Zeiten, als ich noch unsicher war jeden Blick, jedes Lachen auf mich bzw. meine Füße bezogen.
Gleiches gilt für den „abgelenkten“ Mitarbeiter. Aber wir sind ja in der Tat noch eine ungewöhnliche Spezies.

Ansonsten: Ja und ? Ignorieren!

Parfümerie: Ich bin eigentlich froh wenn in einem Geschäft nicht sofort jemand auf mich zu stürzt (und mich damit unter Druck setzt). Die Frage ist, wie sie reagiert hätten wenn du sie ratsuchend angesprochen hättest ?!

Dass deine Füße noch sauber waren „weil du frisch von zu Hause kamst“ … na ja, das kommentiere ich jetzt nicht ernsthaft…

Mir ist das übrigens auch mal so in einem Markt ergangen, der unter anderem Schuhe im Programm hat (die "kritische Beäugung!),
Der Hintergrund war aber - wie ich später erfuhr als mich das Personal schon gut kannte - dass man damals dachte ich würde barfuß rein- und mit (unbezahlten!) Schuhen an den Füßen wieder rausgehen.

Später war ihnen dann klar dass wirklich NICHTS vor mir so sicher ist wie eben diese Warengruppe :slight_smile:

Schlagfertigkeit:

Schuhe gibt es bei uns nicht zu kaufen

„DANN hätte ich einen großen Bogen um ihr Geschäft gemacht!“

Modefuzzy: „…ob ich denn keine Schuhe dabei hätte?“

„Das ist die NEUESTE Mode! Wasserdicht, innenbeheizt, selbstreparierend, mit lebenslanger Funktion - sowas haben SIE gar nicht im Programm!“

Alternativ:
„Die konnten mein Tempo nicht mithalten - die kommen nach“

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Ich mache mir dann - je nach Situation - den Spaß, schaue an mir herunter und stelle entsetzt fest:

„Ooh - die muss mir jemand unterwegs geklaut haben. Vorhin hatte ich sie noch an!“

So manches Mal wären die Gesichter dann ein Foto wert :slight_smile:

Kleine Anekdote vor einigen Wintern auf einem schneebedeckten Baumarkt-Parkplatz:
Zeitgleich mit mir trifft ein Ehepaar auf dem Parallelparkplatz ein.
Er wird meiner ansichtig und tönt lautstark übers Autodach: "Elfriede! … ELFRIEDE !!! Der Mann ist BAARFUß !

Darauf ich - nur kurz angebunden - angesichts seiner überaus dezenten Art:" Ja. Immer !"

Er - sichtlich völlig verdattert: „WIE … IMMER ??? Auch im Sommer?“ :slight_smile:

„Nein, natürlich nicht! Im Sommer trage ich meine Winterstiefel auf…“

Also, ich durfte neulich bei Mediamarkt nicht rein. Dazu gibt es einen Post hier im Forum.

Beschwerde hat niemanden interessiert. Na gut, dann hat dieser Konzern eben einen Stammkunden verloren. Interessiert die zwar nicht, aber egal.

Im Supermarkt bin ich seit Jahren Stammkunde - da interessiert sich keiner für.

Bei Intersport, als ich rausgehen wollte, rief eine Verkäuferin: „Warten Sie, Sie haben vergessen, sich ihre Schuhe wieder anzuziehen.“ Fand ich nett :slight_smile:

Ebenfalls bei Intersport rief, vermutlich die Filialleiterin begeistert: „Mensch, Sie sind ja barfuß“. Spontane Antwort: „Ja! Beim Schuhverkauf werden Sie mit mir sicher nicht glücklich“. Beiderseitig Daumen hoch und grinsen.

Kritische Blicke … die gibt es! Zur Kenntnis nehmen oder auch nicht. Wer nicht fragt, bleibt dumm!

Als ich etwas anderes kaufen wollte in einem anderen Geschäft meinte ein Verkäufer mehr oder weniger scherzhaft „Also Schuhe gibt es bei uns nicht zu kaufen.“ und wusste nicht, wie ich darauf schlagfertig reagieren sollte. Vielleicht würden euch da gute Reaktionen darauf einfallen.

  • Na gut, dann kaufe ich halt was anderes
  • Schade, vielleicht sollten Sie Schuhe ins Sortiment aufnehmen - steigert den Umsatz!
  • Hätte ich jetzt auch nicht wirklich mit gerechnet.
  • Dann bin ich wohl falsch informiert worden (frei nach „Casablanca“: „Ich kam wegen der guten Quellen“ - „Aber in Casablanca gibt es keine Quellen“)

Ich frage mich, ob man das alles als „schlecht behandelt“ abtun darf. Wir fallen nun mal auf und müssen mit Bemerkungen und Blicken leben (nebenbei, wie geht es hier wohl Menschen mit anderer Hautfarbe oder einem körperlichem Gebrechen…?!).
Mir sind bislang kaum solche Sachen in Geschäften passiert. Vielleicht, weil für mich barfuss so normal wie meine braunen Haare sind und ich das auch ausstrahle? Auch bin ich gern mit einem Lächeln unterwegs: Wie ich auf das Personal zugehe, so kommt es zu mir zurück. Daher habe ich eher interessierte Fragen von Seiten von Verkaufspersonal vorzuweisen denn abschätzige Bemerkungen.
Aus einem Geschäft geflogen bin ich nur ein Mal, und zwar im FNAC im Zentrum von Rouen. Die Türsteher hatten mich ohne mit der Wimper zu zucken eingelassen, im Laden aber hielten mich zwei Ladendetektive an. Ihre Argumente waren, es gehöre sich nicht, dabei war ich gepflegt gekleidet. Ich verwies auf die Tütsteher und fragte, ob sie mich auch angehalten hätten, wenn meine Haare gefärbt gewesen wären. Da kamen sie in Verlegenheit. Sie beharrten aber, sehr um Diskretion bemüht, auf ihrer Haltung. Ich verlangte nach der Hausordnung, die sie mir nicht zeigen wollten, vermutlich weil keine da war. Da sie überhaupt nicht auf meine Argumente hörten, pfiff ich auf ihre Diskretion und wurde laut, mein Französisch erlaubt mir ein gesalzenes Fluchen und das erwarten die Leute nicht von einer Touristin! Auf alle Fälle hatte meine Strategie Erfolg: es scharten sich einige Kund:innen um uns und ich merkte, wie die Stimmung gegen die Detektive kippte. Die Leute tuschelten, wenn sie sprachen, und ich hörte Zustimmung, wenn ich argumentierte. Jedoch beharrten die Typen umso mehr auf ihrer Machtposition. Da sie mich wie Dreck behandelten, was auch einige der Umstehenden lautstark feststellten, tat ich dasselbe, zeigte ihnen den Stinkefinger und verliess den Laden unter dem Beifall der Umstehenden. Und die Typen verfolgten mich noch, bis ca. 300 Meter vom Geschäft, und jagten damit meiner draussen wartenden Familie Angst ein!!! Ich scheine aber einfach Pech mit dem Personal gehabt zu haben, denn erstens ist dies in meinen bisher 7 barfüssigen Jahren das einzige Mal, dass man mich rausgeworfen hat, zudem war ich in Frankreich schon des öfteren in einem FNAC gewesen, ohne Probleme zu haben. Auch in Supermärkten habe ich dort nie irgendwelche Probleme gehabt.
Ich kenne derlei eher aus Museen, vor allem in London, hier nachzulesen. Dennoch durfte ich nur ein einziges Mal nicht barfuss in ein Museim rein: auf dem Mont Saint-Michel. Der Türsteher war sehr unhöflich, holte aber, als ich insistierte und er merkte, dass ich ihm sprachlich ohne weiteres das Wasser reichen kann (ich kann wie bereits erwähnt wunderbar französisch fluchen, wenn es sein muss!) , eine verantwortliche Person. Die war dann sehr höflich und zeigte mir die Hausordnung, in der tatsächlich steht, dass man nicht barfuss reindarf. Ich verwies auf die Bibelstellen usw., was die Person sehr interessant fand, generell war es ein sehr respektvolles und gegenseitig interessiertes Gespräch, aber Hausordnung ist nun mal Hausordnung, und die akzeptierte ich daher ohne weiteres, da mir als Kunbsthistorikerin der Besuch der Stätte sehr wichtig war. Also, für einmal war es gut, Notschuhe dabeigehabt zu haben!

Also, wie ich immer sage: MACH einfach und lass Dich nicht beirren. Der Rest ergibt sich von selber. Mit Humor und Höflichkeit kann man fast jede Situation meistern, wie meine Erfahrungen aus London zeigen, und meist ergibt sich ein freundlicher und netter Austausch, wie z.B. auf dem Mont Saint-Michel. Und wenn nicht - meist liegt es an bornierten Leuten.

Liebe Grüsse
Dorothea

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Also meine (gefühlte) persönliche Statistik:

95 % bemerken es garnicht - oder es ist ihnen völlig egal.
Mit 4,5 % kommen nette Gespräche zustande
bei 0,5 Prozent gibt es Diskussionen, innerhalb deren ich wiederum bei 2 % überzeugen oder mich durchsetzen konnte. Bei weiteren 2 % konnten die Hausherren MICH überzeugen (Beispiel Europa-Park). Und beim Rest stieß ich auf Sturheit. Die haben mich dann auch nicht verdient ! :slight_smile:

Eigentlich ein Ergebnis, dass deutlich besser ist als das sonstige Leben, nicht wahr ?

Und Blicke interessieren mich nur dann, wenn sie freundlich/fragend sind - ich Interesse, gepaart mit Unsicherheit spüre. Dann gehe ich auch schon mal auf die Leute zu.

Ansonsten bin ich auch durchaus sehr (angepasst!) schlagfertig - das übt sich :slight_smile:

Und Dorotheas Absatz 1 kann ich nur unterschreiben.
(Auch wenn wir sonst durchaus oft unterschiedlicher Meinung sind :wink: )

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Mittlerweile denke ich auch, dass es die meisten nicht sonderlich bemerken oder es für die nicht wirklich spektakulär ist.
Ich selbst war schon Tanken, in diversen Supermärkten, beim Friseur, zu einem Termin bei der Bankkundenberaterin, bei der Telekom usw. Alles ohne wirklich Kommentare. Ich wurde nicht einmal darauf angesprochen auch nicht von denen die mich sxhon länger oder besser kennen. Ich wurde ganz normal behandelt. Ist ja auch eigentlich nichts besonderes. Schließlich kommt ja such kein Kommentar wie „oh Du hast Schuhe an“.

Oh doch! In meinen Stamm-Locations, meiner Haus&Hof-Buchhandlung, meinem kleinen Lieblingskino z.B…

Aber das ist ein gutes Zeichen, sagt es doch, mensch ist dort als Barfüßler*in wahrgenommen und akzeptiert.

Ja das stimmt. Manchmal wäre ein kleiner positiver Kommentar auch ermutigend dort immer wieder barfuß hinzugehen. Dann weiß man die anderen finden es nicht schlimm

Hallo Annika,

nur, weil natürlich auch ich Deine Unsicherheit total nachvollziehen kann, hier auch meine 50 Cent:

Wie geht ihr damit um, wenn ihr wegen barfuß als Kunde schlecht behandelt werdet?

Ich denke, dass Du gerade übersensibel auf alle Regungen Deiner Mitmenschen reagierst. Und Du deutest es ja in Deinem Post auch schon selbst an. Vielleicht hat die gute Frau in der Bank Deinetwegen kritisch geguckt. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag oder guckt sogar immer so aus der Wäsche. Überleg doch mal, ob Du immer gut behandelt wirst, wenn Du Schuhe anhast. Sicherlich auch nicht. Nur dann beziehst Du es nicht auf Deine Füße, oder auf Dich.
Komm von der Idee weg, dass es an Dir liegt, wenn Menschen Dich schlecht oder unhöflich behandeln. Denn das tut es nicht.

Und was „kritische Blicke betrifft: Manchmal sind die Blicke gar nicht kritisch, sondern neugierig oder sogar neidisch. Natürlich fühlen sich die Blicke für Dich jetzt kritisch an. Das liegt aber vor allem daran, dass Du selbst das Gefühl hast, etwas aus Deiner Sicht „verbotenes“ oder „kritisches“ zu tun. Und dieses Gefühl ist erstmal normal. Schließlich bist Du, wie auch die meisten hier im Forum mit der Überzeugung aufgewachsen „Schuhe müssen in der Öffentlichkeit immer getragen werden.“ Und dieses Gefühl lernst Du erst mit der Zeit und mehr Erfahrung abzulegen. Genau wie Du lernst, Blicken anderer Menschen nicht mehr soviel Gewicht beizumessen. Sie gucken meist nur, weil Du etwas tust, das ungewöhnlich ist. Vielleicht guckst Du auch, wenn Du jemanden auf der Straße mit ungewöhnlicher Kleidung, Tattoos, Piercings, bunt gefärbten Haaren oder Ähnlichem erblickst?

Lass Dich nicht verunsichern!

Tom

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Ich habe in Geschäften bisher noch keine Probleme gehabt. Obwohl ich sagen muss, dass ich in der Regel zumindest auf die Kundenberatung bei Alltagsgegenständen verzichte und mich lieber selbst durch die Regale suche. Aber auch anonsten an der Kasse etc. bisher noch keine Bemerkungen bekommen.

Es ist eher so, dass andere Kunden dann mal rüberschauen und dies manchmal sehr schlecht verstecken können. Aber das stört mich inzwischen nicht mehr.

Ich war einmal mit meiner Frau bummeln und sind wahllos in einige Geschäfte gegangen.

Am Eingang eines Geschäftes fragte mich eine Dame, schon leicht gereizt, warum ich keine Schuhe trage.
Ich antwortete darauf hin:
„Bei euren Preisen kann ich mir keine Schuhe leisten“

Wir wissen bis heute nicht, was zu unserem Rauswurf führte, ob es das barfuß sein oder die freche Antwort war?

Gekrümmt vor lachen haben wir dann den Laden verlassen.

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