Ich war in letzter Zeit wieder häufiger im Kino. Es ist schon länger für mich normal, die Schuhe auszuziehen, da es einfach bequemer ist und ich mich so besser auf den Film konzentrieren kann. Mein Kino, das ich meistens besuche, ist super sauber und gepflegt, wodurch ich mir keine Sorgen wegen klebrigen Böden, Popcorn oder Co. machen müsste.
Jetzt, wo es wärmer ist, bin ich sowieso die ganze Zeit mit offenen Schuhen unterwegs und hatte an einem Tag auch keine Lust, geschlossene Schuhe im Kino zu tragen, also habe ich mir das wieder als kleine Mutprobe genommen, um näher ans Barfußgehen im Alltag ran zu kommen.
Es hat wirklich keiner was gesagt, bemerkt definitiv, weil ich schon von zwei Besuchern neben mir die Blicke bemerkt habe, aber spätestens als der Film spannender wurde, habe ich das auch ausgeblendet.
Was noch dazu kam, war, dass ich bei meinen Plätzen so eine Fußstütze dabei hatte. Erstmal war ich mit mir am hadern, ob es okay ist, die Füße komplett barfuß draufzulegen, hab’s dann aber einfach gemacht.
Es war wirklich super entspannt und es hat mir viel Spaß gemacht, wird wahrscheinlich keine Norm, aber an wärmeren Tagen sehe ich keinen Grund, dies nicht nochmal zu tun.
Es ist anfangs normal, sich „unwohl“ im öffentlichen Raum zu fühlen, wenn man direkt „anders“ ist als die Masse, also „barfuß“.
Mir erging es auch nicht anders in der Anfangszeit meiner Barfuß-Karriere. Irgendwann fühlte ich mich sicher und ich trug immer seltener Schuhwerk. Heute ist für mich das Barfuß-Dasein völlig normal. Ich denke kaum noch darüber nach, dass ich barfuß bin.
Nur wenn ich direkt von Fremden angesprochen werden, wird es mir wieder bewusst.
Inzwischen ist es so, dass ich bis auf ein Paar Minimal-Schuhe für den Notfall, gar kein Schuhwerk mehr besitze.
Doch es war ein langer Weg.
Geh deinen eigenen Weg, wie du dich am wohlsten fühlst. Darum geht es ja letztendlich.
Das kann mit oder ohne Schuhe sein.
Barfuß ins Kino zu gehen war am Anfang meiner Barfuß-Phase was ganz besonderes, verbunden mit vielen Reizen, aber auch vielen Bedenken. Wie mein Vorredner schon sagte, ja, höchstwahrscheinlich haben die Bedenken zu tun mit den nackten Füßen im öffentlichen Raum. Mein erster Kinobesuch barfuß war wohl so um 1999/2000 herum, der Film eher sekundär, weil es mir damals eher darum ging, mich selbst zu beobachten, um danach in der Lage zu sein, all meine Eindrücke bei einem Barfuß-Kinobesuch im Nachhinein in einen sinnvollen Zusammenhang stellen zu können.
Mitllerweile, 26 Jahre später, mit 63 Jahren, um viele Erfahrungen reicher, gelingt es mir nicht mehr ganz, die Sinneseindrücke dieses Kinoabends auf die Kette zu kriegen, aber ich erinnere mich noch an warmen, siffigen Textilboden, zuckriges Popcorn, das nicht nur an meinen Sohlen, sondern auch zwischen den Zehen klebte, einige Turnschuhsohlen aus Gummi, die mir während des Films auf die Zehen traten (nicht schmerzhaft, aber prickelnd), und - last but not least - den älteren Mann auf der Toilette zu später Stunde, der mir sagte, ich habe heiße Füße, ob ob er denn mal seinen Strahl darauf richten könne.
Das war - alles zusammen - etwas zu viel für mich zum Verarbeiten, denke ich, aber wichtig war mir, dass ich mich bei alldem gut fühlte. Ich meine, mich daran erinnern zu können, dass ich damals nicht der Einzige im Kino war, der keine Schuhe anhatte, was mich zusätzlich motivierte.
Und ganz klar, am Anfang war die Angst, als barfüßiges Individuum von einer größeren Menschengruppe verspottet zu werden; als Hippie, Durchgeknallter, Freak, wie auch immer.
Insgesamt - eine nach wie vor positive Erinnerung an den Film damals, um die Jahrtausendwende.
Barfuss ins Kino ist auch noch eine gute Idee für meine to do liste.
Das was andere von uns denken spielt sich überwiegend in unserem Kopf ab. Die meisten merken es höchstens unterbewusst dass wir barfuß sind. Die einzigsten die wirklich kucken würden es gerne selbst machen.
Wenn man sich barfuß ganz normal verhält wird man auch so behandelt. Bisher hatte ich niergends probleme oder abwertende Kommentare