Beginn einer Barfußkarriere

Für mich ein kleiner Rückblick auf das letzte Jahr. Zum Thema barfuß :wink:

Bis zum Oktober war da nichts. Ich habe völlig selbstverständlich Schuhe getragen, auch im Sommer.

Im Oktober habe ich angefangen über das Thema Barfußschuhe nachzudenken. Ich habe erst einmal nichts teures kaufen wollen, also bin ich bei einem der Chinesen-Shops gelandet. Winter Barfußschuhe von Naturkontakt. Die habe ich am 31.10. bestellt. Zu der Zeit war aber überhaupt nicht geplant auf Schuhe zu verzichten. Ich wollte einfach nur diese Minimalschuhe testen.

Am 12. November waren wir (beste Ehefrau und ich) auf einem Ehemaligentreffen. Dort waren ein Vater und Sohn ohne Schuhe unterwegs. Wir haben uns unterhalten und ich habe schöne Füße gesehen, die beweglich und kräftig aussehen und auf eine gute Art auch selbstverständlich nackt.

Erst danach kamen endlich die Schuhe und ich habe zunächst noch gedacht, dass Barfuß für mich vielleicht erst im Frühjahr/Sommer testweise dran sein könnten. In den neuen Schuhen merkte ich, das ich Zehen habe, die nicht wirklich wissen, was sie da unten tun sollen. Ich habe Muskeln gespürt, die Jahrzehnte kaum was getan haben. Diese Schuhe sehen echt klumpig aus, haben aber eine sehr gute, griffige Sohle und im Vergleich zu Wanderschuhen fühlt man alles.

Innerhalb von ein paar Wochen waren Schuhe Zuhause dann kein Thema mehr und seit dem trage ich auch keine Socken mehr. Bei der Arbeit leider Stahlkappenschuhe… Was den Drang verstärkt danach sofort bitte nackte Füße haben zu dürfen. Inzwischen auch im Auto oder bei allen kurzen Wegen um das Haus.

Erst Ende November kamen die ersten Versuche barfuß draußen zu laufen. Die Barfußschuhe dabei und nach kurzen Strecken ohne, dann darin die Füße gewärmt. Natürlich anfangs noch super empfindlich bei kleinsten Steinen oder rauer Oberfläche. Auch die Temperaturen von ca. 10°C waren unangenehm kalt, nach kurzer Zeit.

Oft merkte ich, wie ungewohnt das für Muskeln und Sehnen ist. Leichter Muskelkater und manchmal morgens leichte Probleme bei den ersten Schritten haben mich zur Vorsicht aufgerufen. Also doch erst einmal mehr gehen und fühlen als laufen.

In den letzten Wochen hat sich das nun sehr entwickelt. Barfuß auch wenn es andere sehen können. Auch Mal in einem Geschäft oder in der Stadt. Leguano gekauft, die nicht aussehen als hätte ich Hobbit Füße :wink: dazu hat das Forum auch sehr beigetragen.

Während ich vor einem Monat die 10°C nur kurz ausgehalten habe und der Untergrund weh getan hat, laufe ich jetzt auch länger bei 7-8 °C und komme dabei gut auch mit vielen Oberflächen klar. Zwar merke ich nach längeren Strecken die Belastungen, aber nie unangenehm.

Ich habe gemerkt, dass ich oft meine Zehen nicht(richtig) benutze und auch wo mir Beweglichkeit und Kontrolle fehlen.

Eigentlich bin ich Recht zufrieden mit dem was meine Füße schon können und wie sie aussehen. Jedefalls in Anbetracht der Tatsache, dass die für Jahrzehnte nicht gut behandelt wurden.

Ich bin wirklich Anfänger und habe, so wie ich das verstehe, noch sicher 2 Jahre vor mir, bis meine Knochen sich wirklich angepasst haben. Ich werde noch eine ganze Weile brauchen um natürlich gut laufen zu lernen. Meine Zehen sind zwar gerade, aber sehr schwach, haben keine große Ausdauer und sind auch noch nicht gut kontrolliert zu bewegen.

Meine Knie tun kaum noch weh, was vorher öfter der Fall war. Ich bin richtig fasziniert von dem was ich unter mir spüren kann: Beschaffenheit des Bodens, Temperatur, Feuchte… Die Muskeln im unteren Rücken , Gesäß, hintere Oberschenkel und Waden arbeiten ganz anders.

Die Frage drängt sich auf, warum ich immer Schuhe getragen habe, wo es doch in den meisten Situationen weder nötig noch schön war?

Euch einen schönen Tag und ein gutes, gesegnetes neues Jahr.

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Eine perfekte Zusammenfassung der ersten Wochen und Monate eines Barfußanfängers! Sicherlich repräsentativ für viele hier. Ich erkenne mich absolut wieder in Allem, was Du schreibst. Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

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kalte Füße

Das ist ein Punkt, den ich besonders beobachtet habe und der täglich auffällt. Die Füße nehmen Temperaturunterschiede sehr sensibel wahr. In Schuhen will man es warm haben und jede Abweichung davon ist unangenehm. Der Zustand „warm, aber nicht heiß“ ist die Norm und man denkt nicht darüber nach. Wenn man in Schuhen kalte Füße bekommt, ist das unangenehm und lässt sich nicht einfach beheben. Nasse Schuhe sind sehr schlimm, weil die werden einfach nicht warm.

Es ist aber unerwartet anders, ohne Schuhe.

Die Fußbodenheizung im manchen Gebäuden „sieht“ man mit den Füßen. Man erkennt wärmere Zonen und Stellen, wo die Heizschlangen größere Abstände haben oder es gar keine Heizung im Boden gibt. Stehe ich längere Zeit auf einer Stelle, dann finde ich diese anhand der Temperatur wieder.

Der Unterschied zwischen den Temperaturen des Bodens draußen ist ebenfalls deutlich zu spüren. Nasser Boden ist spürbar kälter als trockene Stellen. Schon ein bisschen schwache Wintersonne ist ein großer Unterschied. Nasse Füße trocknen schnell und das ist auf der nackten Oberseite der Füße kein Problem. Pfützen, die man in Schuhen vermeiden will, nimmt man oft einfach mit und genießt es.

Die Temperaturen werden bewusster wahrgenommen, weil man ständig Updates von den Füßen bekommt. Dazu natürlich sensorisches Feedback über die Beschaffenheit des Bodens.

Wenn ich nun in der Küche sitze – darunter ist unbeheizter Keller – sind die Füße „kalt“ … Das stimmt aber nicht wirklich. Eigentlich sind die Füße im Kern warm. Der anfängliche Drang Socken zu suchen oder Hausschuhe, kann hier abtrainiert werden. Nach ein paar Wochen merkt man, dass es sich hierbei nicht um eine Meldung von Typ „Alarm“ handelt und man keineswegs krank davon wird oder friert. Wichtig ist, den Körper selbst warmzuhalten. Wenn man die Füße mit den Händen ertastet, ist man oft überrascht, dass die Fußsohlen gar nicht kälter sind als die Hände.

Geht man jetzt in der kalten Jahreszeit (5 - 10 °C) raus, ist das wieder eine neue Empfindung.

Je kälter es am Boden ist, desto eher kommt jetzt eine „Warnung“ in Form von einer Verringerung der Empfindungen. Die Zehen sind exponiert und kühlen schneller aus. Kurze Strecken zum Mülleimer oder an die Straßenecke sind aber kein Problem. Spaziergänge können mich aber an mein Limit bringen. Mir reichen dann ein paar hundert Meter in warmen Minimalschuhen und auch die Zehen sind wieder ganz wach. Dann geht’s gerne barfuß weiter. Die Warnung sollte man nicht ignorieren. Leider kommt bei Erfrierungen der „Alarm“ erst beim Auftauen, wenn es zu spät ist. Für Schäden ist kein Frost erforderlich. Ich bin gespannt, wie sehr sich der mögliche Bereich noch erweitert.

Aber was mir aufgefallen ist: unangenehm kalte Füße hatte ich nicht. Auch wenn die Füße mal kühler werden, ist das gar nicht schlimm und inzwischen auch nicht mehr unangenehm. Und nach einer Wanderung draußen sind die Füße Zuhause auch schnell wieder richtig warm. Es ist nicht nötig, die warm abzuduschen. Kalt sauber machen reicht völlig.

Es ist in vielen Situationen nur neu, dass man ständig wahr nimmt, wie die Temperatur des Bodens ist. Der Körper ist davon in der Regel nicht betroffen und man friert nicht wegen kühleren Füßen. Die zusätzlichen Informationen “von unten” sind aber immer noch ungewohnt.

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Willkommen in der Welt der „Übersinnlichen“ :rofl:
Gefühlt hast Du jetzt tatsächlich einen Sinn oder zumindest einen nicht unerheblichen Wahrnehmungsbereich mehr als Du es als Dauerschuhträger hattest.
In Schuhen (auch „Barfußschuhen“) ist man blind für diese feinen Unterschiede in Temperatur und Beschaffenheit des Bodens. Dadurch wird jetzt übrigens auch Dein Gehirn vermehrt angeregt, um die vielen neuen und zahlreichen Reize zu verarbeiten. Wundere Dich also nicht, wenn sich Deine komplette Wahrnehmung der Welt leicht verändert. Das ist normal! :foot::eye:

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Ja, auch Minimalschuhe sind wie Handschuhe für die Füße. Schutz aber schlechtes Gefühl.

Und jetzt fällt mir noch ein Vergleich ein, aber den verrate ich nicht. :wink:

Ich wollte auch Füße im Schnee… Heute war die Gelegenheit.

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Ich freue mich über kleine und größere Erfolge. Heute 4km barfuß durch Feld und Wald. 7-8°C, sonnig. Teilweise durch die Sonne erwärmter Boden, aber auch frostige Stellen und nasser, kalter Matsch. Absolut okay von der Temperatur.

Es gab nur eine kleine Stelle, die keinen Spaß gemacht hat. Ansonsten alles „gut machbar“ bis „richtig erfreulich“. Auch Stellen, die ich sicher vor 2 Monaten überhaupt nicht geschafft hätte. Schuhe unnötig. Mittags noch mit leguanos zum Essen ins Restaurant. Dort dann Schuhe aus und ohne wieder zum Auto. In der Stadt hätte ich behauptet, war der Boden richtig angenehm. Sonne macht natürlich viel aus.

Ja, ein paar haben sich leise gewundert. War aber egal.

Die Füße und Sehnen haben es ohne murren geschafft. Ein bisschen spüre ich die Haut der Ballen… Die soll sich nicht so anstellen. Dank urea Creme ist die Hornhaut fest und ohne Risse, die ich früher im Sommer hatte. Sieht auch gut aus. Die kleinen Verletzungen der letzten Tage, durch den Kontakt mit der Welt, sind alle schnell verheilt. Ein paar Kratzer, ein paar Dornen oder Disteln… Nichts hat geblutet.

Wenn es schon jetzt schön ist und die Füße so viel können, dann wird das sicher bald schön normal.

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