Vor ein paar Tagen bin ich gegen 19 Uhr durch die Stadt und ein Stück übers Feld zu einem Freund gelaufen, barfuß versteht sich. Mittlerweile bin ich so fortgeschritten, dass ich mich auch tagsüber, zumindest abends, wenn es hell ist, hinaus traue. Dabei ist es mir schon fast egal, was andere denken könnten. Und trotzdem ist es mir immer unangenehm, wenn mir Leute entgegen kommen. Besonders bei denen in meinem Alter oder jüngeren, denn irgendwie scheint genau meine Altersgruppe das wenigste Verständnis aufzubringen.
So kam es, dass mir auf dem Weg eine Gruppe von vier ca. 15 jährigen auf E-Rollern entgegen kam. Als sie schon an mir vorbei waren hörte ich deutlich einen von ihnen sagen: „Warum ist er barfuß?“.
Nicht weiter schlimm, eine einfache Frage, was nicht mal Ablehnung bedeutet, und dennoch konnte ich das nicht einfach abtun. Nach kurzer Überlegung und Verarbeitung kam ich zum Entschluss, mich nicht weiter damit zu befassen, schließlich war es nicht weiter schlimm und in Zukunft könnte sowas öfter vorkommen, wenn ich meine Freiheit weiter ausleben möchte, also sei es drum. An die fragenden und argwöhnischen Blicke habe ich mich längst ebenso gewöhnt.
Kaum 5 Minuten später bin ist mir dann ein Ehepaar ca. Mitte-Ende 50 entgegen gekommen. Nach einer freundlichen Begrüßung fragte mich die Frau mit einem Lächeln im Gesicht, ob sich der Boden nicht wunderbar warm anfühle und ob meine Füße ausreichend abgehärtet seien. Wir kamen kurz ins Gespräch und beide äußerten ihre Bewunderung für meinen Lebensstil. Ein wirklick sehr liebes und freundliches Paar, welches mir nach der Begegnung mit der Roller Schwadron wieder ein gutes Gefühl gab.
Es ist wahrlich bemerkenswert, wie unterschiedlich Menschen auf dieselbe Sache reagieren, je nach Alter, Erfahrung und Einstellung.
Gleichzeitig ist gut zu beobachten, dass besonders „ältere“ Menschen ab ca. Ende 20/ Anfang 30 offener fürs barfußlaufen sind und es öfter praktizieren, während alle unter 25 einen riesen Hehl um Füße zu machen scheinen.
Wenn ich mir die neuesten Birkenstocks ansehe, die im Trend sind, wundert mich das ein bisschen weniger, versteht ihr was ich meine?
Lustigerweise hatte ich neulich Abends in Frankfurt eine ähnliche Erfahrung.
Aber von schätzungsweise 15-18 Jährigen:
Ich hatte mich mit einem weiteren Barfüßer zu einer Stadtrunde am Main getroffen.
Sehr viele Leute, und alle Reaktionen waren positiv (bei einer bin ich mir nicht sicher: Es kam uns eine Frau lachend entgegen, und hat irgendwas gesagt von wegen “Sind wir hier in XY/Wie in XY” oder sowas ähnliches, und ich kann nicht sagen ob das positiv war weil sie richtig herzlich gelacht hat. Hab mir aber keine weiteren Gedanken drüber gemacht.)
Auf einer Bank saßen die besagten 2 jungen Männer, und im vorbeigehen kam “Das ist gesund, barfuß zu laufen.”
Daraufhin folgte ein kurzes Gespräch (Standard wie: ist das nicht gefährlich, warum macht ihr das, würde ich auch mal ausprobieren und so weiter)
Ich war insofern etwas überrascht, weil ich aufgrund von Kleidungsstil und Auftreten die gegenteilige Reaktion erwartet hätte.
Ansonsten gab es halt viele Blicke, aber keine negativen Sprüche.
Ich bin gestern an einer Baustelle entlanggelaufen. Ich war dem Wetter entsprechend knapp bekleidet, langer Rock, sehr sehr kurzes Top. Die Bauarbeiter haben mich bemerkt, vier von fünf haben wieder weggeschaut und der fünfte rief:„Barfuß! Die machts richtig!“ und wandte sich auch wieder seiner Arbeit zu.
Das Hauptproblem beim Barfußleben (zumindest nach dem, was ich bei meinen Mitmenschen beobachte) ist die Art und Weise, wie andere reagieren. Doch warum sollte das negativ sein?
Wenn man diese Berichte liest, und auch meiner eigenen Erfahrung nach, sind die Leute sehr oft neugierig, aber fast immer Wohlwollend.
Für mich ist der Kontakt zu anderen tatsächlich einer der grössten Vorteil des Barfußlaufens. Man kann erzählen warum man das macht, und wer weiß, vielleicht inspiriert man andere es zu probieren.
Heute früh bei der Gassirunde kam mir ein älteres Ehepaar samt Kinderwagen entgegen. Frägt mich der Mann: „Oh, das ist aber bestimmt heiß an den Füßen!!!“ Meine Antwort: „Wenn es zu heiß wäre, dürfte Hund auch nicht laufen!!!“.
Mein Erinnerungswürdigstes Erlebnis, ist schon ein paar Jahre her.
Ich war auf dem Weihnachtsmarkt. Es waren etwa Minus 3 bis 4 Grad, es schneite leicht.
Da sprach mich eine Französin an, „Bewundernswert“ sprach sie mich an in ihren französischen Akzent. Sie liebt es barfuß zu sein, doch bei diesen Temperaturen traut sich es sich nicht zu.
Sie fragte ob sie meine Füße anfassen dürfe, was ich ihr natürlich gestattete.
Respekt! Rief sie. Bleiben sie so, hören sie nicht auf. Sehen sieh hin Leute, rief sie noch ganz laut in den Menge und lächelte dabei. Dann umarmte sie mich und verabschiedete sich.
Krass das du das bei so niedrigen Temperaturen aushälst- so weit bin ich noch nicht. Hat das bei dir gedauert oder bist du ohnehin ein eher kälteresistenter Mensch?